2019 war unser drittes Jahr des Ganzheitlichen Managements. Das Jahr neigt sich dem Ende und es ist Zeit für den Rückblick 2019. Es sind wieder viele spannende Sachen passiert. Wir haben viel dazu gelernt und freuen uns darauf das Gelernte im nächsten Jahr umzusetzen.

Die Anfänge

Unser erstes Jahr im Ganzheitlichen Management kann man eigentlich gar nicht so wirklich zählen. Da haben wir versucht umzusetzen, was wir in den Büchern gelesen haben. Das Ding ist nur, dass man Neues, was man lernt, immer so anwendet, wie es mit dem Alten zusammenpasst. Dadurch war das Ergebnis nicht wirklich ganzheitlich.

Es brauchte erst unser Grundlagen- und Aufbauseminar des Savory-Instituts bis wir begann zu verstehen, um was es beim Ganzheitlichen Management wirklich geht.

Aller Anfang ist gar nicht so schwer

Ganzheitliches Management ist ein sehr komplexes System. Es geht nämlich gerade darum, dass man nichts vereinfacht, sondern mehr und mehr die Komplexität der Natur versteht. Da kann man immer was dazu lernen.

Diese Komplexität meint aber nicht, dass es schwierig in der Umsetzung ist. Wenn man eine Weide schon mit 2 Elektrozäunen in 4 Teile unterteilt, wird man schon Unterschiede sehen. Denn 3 dieser Flächen können sich erholen, während die 4. beweidet wird. Und Erholung ist ein wichtiger Bestandteil des Ganzheitlichen Managements.

Schwieriger ist es nur seine Denkweisen zu ändern, die man sein ganzes Leben gelernt hat. Denn der Unterricht an Landwirtschaftsschule oder Universität kommt aus einer sehr reduktionierenden Weltanschauung, also dem Gegenteil des ganzheitlichen Denkens. Das sind dann sehr spannende Erfahrungen.

Der Lohn der Wagnis

Wir haben uns auf das Abenteuer eingelassen und wurden reichlich dafür belohnt. Letztes Jahr um diese Zeit haben wir schon 60 Rundballen verfüttert. Dieses Jahr war eigentlich eine noch größere Herausforderung durch die Trockenheit und wir haben immer noch Futter draußen für die Herde. Außerdem ist unsere Herde sogar größer als im letzten Jahr. Insgesamt haben wir dieses Jahr 1320 Tiertage mehr gefüttert als im letzten Jahr.

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Wir haben schon 3 Jahre lang keinen Kunstdünger mehr auf die Weiden gestreut. Und dennoch haben wir mehr Ertrag als wir es je hatten; und auch das in einem Jahr mit vielen Herausforderungen!

Der Boden wird zusehends besser. Vor 2 Tagen haben wir einen Wasserinfiltrationstest gemacht. Es wird dabei gemessen, wie schnell der Boden welche Menge an Wasser aufnehmen kann. Während es vor 1,5 Jahren noch mehr als 15 Minuten gedauert hat, bis das Wasser im Boden eingesickert war, hat es jetzt gerade einmal 1 Minute 20 Sekunden gedauert. Rechnet man das auf die Fläche um, hat der Boden es geschafft 70 mm Niederschlag in 1 Minute 20 Sekunden aufzusaugen! Das ist natürlich auch ein super Hochwasserschutz!

Die nächste deutliche Bodenverbesserung, die man beobachten kann, ist die Lockerheit. Der Boden wird so locker, dass die Zaunspfähle kaum noch stehen. Sie sind sehr leicht in den Boden zu stecken. Während wir früher einen Hammer brauchten, geht das jetzt ganz einfach.

Beim Rückblick 2019 darf natürlich in diesem Jahr unser Treffen mit Allan Savory und seiner Frau Jody nicht vergessen werden. Er ist ein sehr beeindruckender Mensch und wir helfen ihm gerne das ganzheitliche Denken weiter zu verbreiten.

Allan Savory,
der Begründer des Ganzheitlichen Managements

Stressfrei geschlachtete Tiere

Dank der Schlachtbox können wir unsere Tiere auf dem Hof betäuben und in einem zertifizierten Schlachtbetrieb durch Entbluten töten. Stressfreies Schlachten ist für uns oberste Priorität. Es liegt einfach in unserer Verantwortung, dass die Tiere stressfrei sterben. Das gilt sowohl für die Tiere, wenn sie schon für uns ihr Leben lassen. Aber das gilt auch für die Menschen, die das Fleisch essen. Es schmeckt einfach anders, wenn das Fleisch nicht die Stresshormone enthält.

Wie wissen wir, dass das Schlachten stressfrei ist? Wir nehmen nie nur ein Tier aus der Herde, sondern immer auch ein zweites zur Gesellschaft. Denn sonst wäre schon dieser Prozess stressvoll. Dann trainieren wir das Tier, das geschlachtet werden soll, dass ein fremder Mensch mit einem Gegenstand die Stirn berühren kann. Wir trainieren also den Schlachtprozess. Belohnt wird das Tier mit etwas Getreideschrot. Da es das normal nicht gibt, macht das Tier gerne mit. Beim eigentlichen Schlachten bekommen beide Tiere Schrot. Das zweite unterbricht nicht einmal das Fressen, wenn das andere geschossen wird. Das ist immer ein Anzeichen, dass es wirklich stressfrei ist. Denn sonst wäre das zweite Tier weg. Kein noch so gutes Futter kann ein Tier da halten, wenn es Angst hat.

Dadurch sind wir in der Lage ein hochwertiges Produkt anzubieten. Es schmeckt gut, es leidet kein Tier dadurch und mit diesem Produkt trägt man auch noch zur Verbesserung des Ökosystem bei. Außerdem hat Weidefleisch viele Vorteile für die Gesundheit.

Andere inspirieren

Wir hatten einen Weidetag, der von der Stiftung Ökologischer Landbau organisiert wurde. Christine Bajohr vom KugelSüdhanghof war auch da zum Vortragen. Sie praktiziert im Allgäu Ganzheitliches Management mit einem Milchviehbetrieb. Sie betreiben dort eine muttergebundene Kälberaufzucht und zeigen schön, dass man die Kälber auch mit den Kühen halten kann, wenn man Milch produziert.

Christine Bajohr vom KugelSüdhang-Hof

Wir hatten viele Besucher und spannende Diskussionen. Das hat Spaß gemacht und wir wollen im nächsten Jahr öfter Interessenten die Möglichkeit geben von uns zu lernen.

Es gibt auch ein Webinar „Ganzheitliches Management für jedermann„. Denn Ganzheitliches Management ist natürlich nicht nur für Landwirte. Jeder ernährt sich vom Boden. Daher trägt auch jeder die Verantwortung dafür.

Ständiges Lernen

Wir hören nie auf zu lernen. In diesem Jahr waren neben dem ganzheitlichen Denken die Bodenorganismen ein ganz wichtiges Thema. Es ist einerseits erschreckend zu sehen, wie tot unsere Böden sind. Aber es gibt so viel Hoffnung zu lernen wie man das ändern kann.

Die Zwischenfrucht wächst ohne Düngung mit Hilfe der Bodenorganismen

 

Wir haben auf unserem Acker die Bodenorganismen zahl- und artenreicher gemacht durch das Ausbringen von Komposttee. Es gibt noch sehr viel zu lernen. Aber so macht Landwirtschaft wieder richtig Spaß!

Vorhaben fürs nächste Jahr

Natürlich werden wir weiter lernen! Aber wir wollen auch unser bisheriges Wissen gerne teilen. Denn es ist möglich Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Natur zu machen und nicht auf ihre Kosten.

Teilen werden wir das Wissen schon mit den Kleinsten. Es ist immer wieder sehr inspirierend wenn die Kindergartenkinder oder auch Schulkinder hier auf den Hof kommen.

Kühe haben eine so magische Ausstrahlung auf Kinder wie auf Erwachsene

 

Unsere Ziele sind weiterhin:

  • den Boden immer gesünder werden zu lassen
  • Pflanzen wachsen zu lassen, die so gesund sind, dass sie gegen Krankheiten und Schädlinge resistent sind
  • gesunde Nahrung anzubauen, die Hippocrates Ausspruch „Lass die Nahrung deine Medizin sein“ immer mehr wahr werden lässt

Wir wollen zeigen, dass man durch das Arbeiten mit der Natur unempfindlicher wird gegen die Auswirkungen der Klimaveränderung. Wasser kann besser in den Boden aufgenommen werden. Hitze wird besser vertragen.

Wir hoffen, dass wir als gutes Beispiel voran gehen können, um zu zeigen, dass Fungizide, Insektizide, Herbizide und Kunstdünger nicht nötig sind und dass wir als Landwirte einen wichtigen Beitrag gegen den Klimawandel leisten können, indem wir CO2 in erheblichen Umfang im Boden speichern.

Das war in Kürze unser Rückblick 2019.
Wir wünschen allen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr und werden natürlich auch im nächsten Jahr von unseren Erfahrungen berichten.

 

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